„Pflege darf in Hessen nicht zur Frage der Postleitzahl werden. Wer gleichwertige Lebensverhältnisse ernst nimmt, muss jetzt verbindliche Strukturen für Beratung, Prävention, Pflegeplanung und Versorgungssicherung schaffen.“
Entweder gelingt es, Pflege, Beratung, Prävention, Wohnen, Ehrenamt, professionelle Pflege und Gesundheitsversorgung vor Ort verbindlich zusammenzuführen – oder regionale Unterschiede werden weiter wachsen. Gute Unterstützung im Alter darf aber nicht davon abhängen, ob eine Kommune über ausreichend Personal, Daten, Geld oder Kooperationsstrukturen verfügt.
Als AWO Nordhessen und Teil der Liga Hessen vertreten wir sowohl die Interessen pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen als auch die der Träger und Dienste der Pflege und Altenhilfe. Sozialraumorientierung kann nur gelingen, wenn die Akteure vor Ort – insbesondere professionelle Pflege, Kommunen, Medizin, Beratung, Ehrenamt, Zivilgesellschaft, Betroffene und Kostenträger – verbindlich in Planung, Steuerung und Umsetzung einbezogen werden. Die Liga Hessen fordert deshalb eine sozialraumorientierte Pflegestrukturpolitik mit fünf Weichenstellungen:
Die Unterschiede zwischen den Kommunen sind bereits heute erheblich. Sie betreffen finanzielle Spielräume, Datenlagen, Steuerungskompetenzen und die Fähigkeit, Versorgungslücken gemeinsam mit den Akteuren vor Ort zu schließen.
Wer Pflege als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge versteht, muss Kommunen mit verbindlichen Aufgaben, wirksamen Gesundheits- und Pflegekonferenzen sowie ausreichenden Planungs-, Personal- und Finanzmitteln ausstatten. Diese Konferenzen müssen die professionelle Pflege und ihre Träger systematisch einbeziehen, damit Planung an den praktischen Bedingungen der Versorgung ausgerichtet wird.
Zugleich muss Versorgung vom Menschen gedacht werden. Pflegebedürftige Menschen, Angehörige und ältere Bürger*innen leben nicht in Sektoren. Sie brauchen Beratung, Unterstützung, Pflege, Rehabilitation, Wohnen, Teilhabe und Entlastung aus einem Guss. Dafür braucht Hessen sektorenübergreifende Versorgungsmodelle und flexible Finanzierungen, die Schnittstellen abbauen, professionelle Pflege verlässlich einbinden und bedarfsgerechte Angebote im Quartier ermöglichen. Nur gemeinsam mit Kommunen, Trägern, Diensten, Kostenträgern und weiteren lokalen Akteuren lässt sich Versorgung dauerhaft sichern.