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Interview mit Peter Grunwald
03. August 2026
Peter Grunwald ist seit dem 1. Juli 2026 Einrichtungsleiter im AWO-Seniorenzentrum in Sontra.

Was hat Sie an der neuen Aufgabe als Einrichtungsleitung besonders gereizt?

Grunwald: Mich hat besonders die Möglichkeit gereizt, wieder sehr nah an den Menschen und am konkreten Alltag einer Einrichtung zu arbeiten. Als Einrichtungsleitung kann ich gemeinsam mit den Mitarbeitenden unmittelbar etwas für die Bewohnerinnen und Bewohner bewegen. Gleichzeitig bietet die Aufgabe viel Gestaltungsspielraum: Strukturen weiterzuentwickeln, Mitarbeitende zu unterstützen und die Einrichtung gemeinsam zukunftsfähig aufzustellen. Genau diese Verbindung aus Verantwortung, Nähe und Gestaltung empfinde ich als sehr spannend.

Können Sie uns etwas über Ihren beruflichen Weg erzählen? Welche Erfahrungen bringen Sie für Ihre neue Position mit?

Grunwald: Ich bin seit fast 30 Jahren in verantwortlichen Funktionen in der Altenhilfe tätig. Zuletzt war ich sechs Jahre Geschäftsführer einer großen Pflegeeinrichtung in Kassel und davor 8 Jahre Geschäftsführer einer diakonischen Komplexeinrichtung in Wolfhagen. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit den unterschiedlichsten Bereichen beschäftigt – von Personalführung und Qualitätsentwicklung über wirtschaftliche Fragestellungen bis hin zur Zusammenarbeit mit Angehörigen, Behörden, Gremien und externen Partnern.
Diese Erfahrungen helfen mir heute sehr. Ich kenne sowohl die strategische Perspektive als auch die Herausforderungen des täglichen Betriebs. Für meine neue Aufgabe ist mir besonders wichtig, beides miteinander zu verbinden: klare und verlässliche Strukturen auf der einen Seite und ein offenes Ohr für die Menschen auf der anderen.

Was motiviert Sie persönlich, in der Altenpflege tätig zu sein?

Grunwald: Altenpflege ist für mich ein Arbeitsfeld mit großer gesellschaftlicher Bedeutung. Es geht nicht nur um Versorgung, sondern vor allem um Würde, Beziehung, Sicherheit und Lebensqualität. Menschen sollen auch im Alter möglichst selbstbestimmt leben können und sich angenommen fühlen.
Mich motiviert, dass unsere Arbeit für die Bewohnerinnen und Bewohner ganz konkret einen Unterschied macht. Gleichzeitig möchte ich dazu beitragen, dass Mitarbeitende gute Rahmenbedingungen vorfinden und ihre anspruchsvolle Arbeit mit Kompetenz, Freude und Wertschätzung ausüben können.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben? Was ist Ihnen in der Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden besonders wichtig?

Grunwald: Ich würde meinen Führungsstil als offen, verbindlich und beteiligungsorientiert beschreiben. Kurz gesagt von kooperativ zu partizipativ.  Mir ist wichtig, zunächst zuzuhören und die Sichtweisen der Mitarbeitenden kennenzulernen. Die Kolleginnen und Kollegen verfügen über viel Erfahrung und kennen die Einrichtung und die Bewohnerinnen und Bewohner sehr genau. Dieses Wissen müssen wir nutzen.
Gleichzeitig braucht gute Führung Klarheit. Entscheidungen sollten nachvollziehbar sein, Verantwortlichkeiten müssen eindeutig geregelt werden und Absprachen sollten gelten. Ich wünsche mir eine Zusammenarbeit, in der Probleme offen angesprochen werden können, ohne dass sofort nach Schuldigen gesucht wird. Fehler sollten wir nutzen, um Abläufe zu verbessern und gemeinsam zu lernen.
Besonders wichtig sind mir gegenseitiger Respekt, Verlässlichkeit und ein fairer Umgang miteinander. Miteinander reden, statt übereinander reden.

Welche Werte möchten Sie in Ihrer Einrichtung sichtbar und spürbar machen?

Grunwald: An erster Stelle stehen für mich Würde, Respekt und Menschlichkeit. Bewohnerinnen und Bewohner sollen nicht nur gut versorgt werden, sondern sich sicher, ernst genommen und zuhause fühlen.
Ein weiterer wichtiger Wert ist die Personenzentrierung. Jeder Mensch bringt eine eigene Biografie, eigene Gewohnheiten, Bedürfnisse und Fähigkeiten mit. Diese Individualität sollte sich im Alltag und in der Pflege widerspiegeln.
Auch innerhalb des Teams sollen Wertschätzung, Offenheit und gegenseitige Unterstützung spürbar sein. Eine gute Einrichtung entsteht nur dann, wenn alle Berufsgruppen miteinander und nicht nebeneinander arbeiten.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in der Altenpflege und wie möchten Sie diesen begegnen?

Grunwald: Die Altenpflege steht vor großen Herausforderungen. Dazu gehören insbesondere der Fachkräftemangel, steigende Anforderungen, wirtschaftlicher Druck und eine zunehmend komplexe Versorgungssituation. Gleichzeitig darf die eigentliche Aufgabe nicht aus dem Blick geraten: Eine gute und verlässliche Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner.
Diesen Herausforderungen können wir nur mit klaren Strukturen, guter Kommunikation und einer sinnvollen Aufgabenverteilung begegnen. Mitarbeitende müssen entsprechend ihrer Qualifikation und möglichst auch gem. ihrer Kompetenz eingesetzt und von vermeidbaren Belastungen entlastet werden. Ebenso wichtig sind gute Einarbeitung, Fortbildung und eine Führung, die ansprechbar ist.

Ich bin überzeugt, dass wir nicht jede Herausforderung sofort lösen können. Wir können aber Schritt für Schritt Verbesserungen erreichen, wenn wir ehrlich hinschauen, Prioritäten setzen und gemeinsam handeln.

Was bedeutet für Sie eine hohe Lebensqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner?

Grunwald: Lebensqualität bedeutet für mich, dass Menschen möglichst selbstbestimmt leben können und nicht ausschließlich über ihren Pflegebedarf wahrgenommen werden. Dazu gehören vertraute Tagesabläufe, persönliche Beziehungen, gute Mahlzeiten, Bewegung, Beschäftigung und die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen.

Auch kleine Dinge sind oft entscheidend: ein freundliches Gespräch, ein Lieblingsessen, ein Spaziergang, Musik oder das Gefühl, gebraucht und wahrgenommen zu werden. Eine hohe Lebensqualität entsteht dort, wo Pflege, Betreuung und Alltag gut miteinander verbunden sind.

Welche Ziele oder Ideen möchten Sie in den kommenden Monaten gemeinsam mit Ihrem Team umsetzen?

Grunwald: In den ersten Wochen und Monaten möchte ich die Einrichtung, die Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Mitarbeitenden zunächst gut kennenlernen. Darauf aufbauend möchte ich gemeinsam mit dem Team klare und verlässliche Strukturen schaffen.
Ein wichtiger Schwerpunkt wird sein, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen weiterzuentwickeln. Wir müssen gemeinsam schauen, wie Pflege, Betreuung, Hauswirtschaft und Verwaltung gut ineinandergreifen können.

Darüber hinaus möchte ich das Hausgemeinschaftskonzept weiter mit Leben füllen und die Personenzentrierung im Alltag stärken. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen mehr Möglichkeiten zur Teilhabe, Aktivierung und individuellen Tagesgestaltung erhalten.
Auch die Qualitätsentwicklung und die Gewinnung neuer Bewohnerinnen und Bewohner werden wichtige Themen sein. Dabei ist mir wichtig, realistische Schritte zu gehen und Erfolge gemeinsam sichtbar zu machen.

Wie schaffen Sie persönlich einen Ausgleich zu Ihrem beruflichen Alltag?

Grunwald: Mein wichtigster Ausgleich ist der Sport. Ich laufe regelmäßig und bereite mich derzeit auf den Jungfrau-Marathon vor. Beim Laufen kann ich sehr gut abschalten, Gedanken sortieren und neue Energie gewinnen.

Daneben interessiere ich mich für Musik und spiele Mandoline, Mandola und Gitarre und leite ein Zupforchester mit 30 Musikerinnen und Musikern in der Region Nordhessen. Ich bin zudem Sportfunktionär und leite den Leichtathletikkreis Kassel und bilde Kampfrichterinnen und Kampfrichter nach dem Regelwerk der Leichtathletik aus. Außerdem verbringe ich gerne Zeit mit meiner Familie und reise sehr gerne. Diese unterschiedlichen Aktivitäten helfen mir, auch in anspruchsvollen Phasen die notwendige Balance zu behalten.

Was möchten Sie Bewohnerinnen und Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitenden über sich und Ihre Arbeit mit auf den Weg geben?

Grunwald: Mir ist wichtig, dass die Menschen wissen: Ich bin ansprechbar und nehme ihre Anliegen ernst. Ich werde nicht für jedes Problem sofort eine Lösung haben, aber ich werde zuhören, transparent kommunizieren und mich verlässlich um die Themen kümmern.

Ich wünsche mir eine Einrichtung, in der Bewohnerinnen und Bewohner sich sicher und zuhause fühlen, Angehörige Vertrauen haben und Mitarbeitende gerne und mit Stolz arbeiten. Dieses Ziel können wir nur gemeinsam erreichen. Ich freue mich darauf, diesen Weg zusammen mit allen Beteiligten zu gehen.

Kurz und persönlich

Kaffee oder Tee?

Kaffee – besonders am frühen Morgen.
 

Frühaufsteher oder Nachteule?

Eindeutig Frühaufsteher. Am liebsten starte ich den Tag mit einer Laufrunde.
 

Buch oder Podcast?

Beides – ein gutes Buch zum Abschalten und Podcasts sowie Hörbücher gerne beim Laufen und auf der Fahrt zur Arbeit.
 

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