Viele Angehörige möchten ihre Eltern oder nahestehenden Verwandten gut versorgt wissen, ohne ihnen die Selbstständigkeit zu nehmen. Das AWO-Angebot Wohnen mit Service in Sontra verbindet genau diese beiden Wünsche. Wir haben mit der AWO-Quartiersmanagerin Paulina Volkmar gesprochen.
Viele Angehörige tragen viel Verantwortung. Mit welchen Sorgen kommen sie zu Ihnen?
Paulina Volkmar: Oft höre ich Sätze wie: „Ich schaffe das alles nicht mehr allein“ oder „Ich mache mir Sorgen, wenn ich nicht erreichbar bin.“ Angehörige möchten das Beste für ihre Eltern, leben selbst aber in einem vollen Alltag. Diese innere Zerrissenheit begegnet mir häufig – und ich habe großes Verständnis dafür.
Was gibt Angehörigen am meisten Sicherheit, wenn Mutter oder Vater hier wohnen?
Paulina Volkmar: Vor allem, die Eltern in einem sicheren Wohnumfeld zu wissen, dass durch technische Hilfen und Barrierefreiheit eine gefahrenfreie und bedarfsgerechte Umgebung für ihre Liebsten bietet.
Können sich Angehörige direkt an Sie wenden?
Paulina Volkmar: Ja, sehr gern. Angehörige können sich jederzeit bei mir melden – auch mit kleinen Fragen oder Sorgen. Unser Beratungsangebot ist breit gefächert und kostenlos. Angehörige können bei uns Hilfe zur Selbsthilfe erhalten oder an Infoveranstaltungen teilnehmen, wie beispielweise zum Thema Patientenverfügung.
Viele Angehörige wollen helfen, ohne zu bevormunden. Wie gelingt diese Balance?
Paulina Volkmar: Das ist ein wichtiges Thema. Hier entscheidet jeder Mensch selbst über seinen Alltag. Meine Aufgabe ist es, Lösungswege aufzuzeigen und Unterstützung anzubieten – nicht aufzudrängen. Angehörige merken oft schnell: Die Selbstständigkeit bleibt erhalten, und trotzdem ist Hilfe greifbar. Das entlastet beide Seiten.
Was empfinden Angehörige nach dem Einzug häufig?
Paulina Volkmar: Viele sagen: ‚Endlich kann ich wieder ruhig schlafen.‘ Nicht, weil sie alles loslassen oder aus der Verantwortung gehen – sondern weil sie spüren: Da ist jemand da. Ein verlässliches Miteinander vor Ort, ein Netzwerk, das die Person einbezieht und ihr einen Platz in der Nachbarschaft gibt.
Was passiert, wenn sich der Unterstützungsbedarf im Laufe der Zeit verändert?
Paulina Volkmar: Niemand wird hier allein gelassen. Unser AWO-Pflegenetz bietet für die unterschiedlichen Pflegebedarfe engmaschige Pflege- und Versorgungsdienstleistungen. Sollte sich der Unterstützungsbedarf im Laufe der Zeit verändern, können wir einen leichten Wechsel zwischen verschiedenen Betreuungs- und Wohnformen, wie Kurzzeitpflege oder stationärer Pflege im AWO-Seniorenzentrum anbieten.
Welche Rolle spielt das Quartier für Angehörige?
Paulina Volkmar: Eine große. Das Quartier schafft Begegnung und Beratung. Angehörige wissen: Ihre Mutter oder ihr Vater ist eingebunden, kann Kontakte knüpfen und nimmt am gesellschaftlichen Leben teil. Das ist für viele ein beruhigender Gedanke, da besonders ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen immer häufiger von sozialer Isolation und Einsamkeit betroffen sind.
Was würden Sie Angehörigen sagen, die noch zögern?
Paulina Volkmar: Ich rate immer: Kommen Sie vorbei, schauen Sie es sich in Ruhe an, stellen Sie alle Fragen. Wohnen mit Service ist kein endgültiger Schritt, sondern eine Möglichkeit, frühzeitig Sicherheit zu schaffen – für die ganze Familie.
Was ist Ihnen persönlich bei Ihrer Arbeit am wichtigsten?
Paulina Volkmar: Gemeinschaft. Hier begegnet man sich auf Augenhöhe und unterstützt sich gegenseitig. Dass sich alle gesehen und respektiert fühlen und merken: Hier zählt der Mensch. Genau das macht Wohnen mit Service für mich aus.